Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Vogt
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Der historische Begriff Vogt – auch Voigt, Voit oder Fauth – stammt von mittelhochdeutsch vog(e)t, voit, woith, vougt, von althochdeutsch fogā̌t und letztlich lateinisch advocātus ‚Rechtsbeistand, Sachwalter, Anwalt‘, wörtlich ‚Hinzu-/Herbeigerufene‘, ab. Er bezeichnete im deutschsprachigen Raum allgemein einen herrschaftlichen, oft adeligen Beamten des Mittelalters und der frĂŒhen Neuzeit. Im Französischen entspricht ihm bailli, im Englischen bailiff oder reeve.

Die ab dem 12. Jahrhundert urkundlich belegten Vögte von Weida, Gera, Plauen und Greiz waren spĂ€testens 1343 namensgebend fĂŒr das Vogtland.

Contents

‱ Funktion
‱ Burgvogt
‱ Aostatal
‱ Kanalinseln
‱ Polen
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Funktion

Der Vogt regierte und richtete als Vertreter eines Feudalherrschers in einem bestimmten Gebiet im Namen des Landesherrn. Er hatte den Vorsitz im Landgericht und musste die Landesverteidigung organisieren. Im Krieg fĂŒhrte er das Lehensaufgebot des Landes.

Der frĂŒhere Machtbereich eines Vogts und sein Amtssitz (meist eine landesherrliche Burg) werden als Vogtei bezeichnet. Man unterschied unter anderem Stadtvögte und Amtsvögte.cite-ref-1[1]

Der Landvogt war der höchste Vertreter eines Landesherren in einem Teilterritorium im Mittelalter und der FrĂŒhen Neuzeit. Der Reichslandvogt war ein Beauftragter der deutschen Kaiser und Könige. In der Schweiz war der Landvogt der oberste Verwalter eines kleineren Territoriums.

Das durch einen Vogt vertretene Rechtsprinzip leitet sich sowohl vom spĂ€trömischen Beamten, dem vorgenannten advocatus, als auch von der germanischen Munt ab und ist ein SchutzverhĂ€ltnis, das auch Gewalt- und Vertretungsrecht einschließt.

Vögte zur Zeit der Karolinger

Speziell seit den Karolingern war der Vogt ein staatlicher Beamter, der als Stellvertreter von kirchlichen WĂŒrdentrĂ€gern (zum Beispiel Bischöfen oder Äbten) oder Institutionen diese in weltlichen Angelegenheiten, insbesondere bei weltlichen Gerichten vertrat (advocatus ecclesiae). Der Kirche waren seit der SpĂ€tantike solche Vertreter vorgeschrieben, da sie keine weltlichen GeschĂ€fte ausĂŒben sollte. Der Vogt stellte daher im ImmunitĂ€tsbereich zum Beispiel eines Klosters oder Bistums eine Art Schutzherr dar und fĂŒhrte meist auch dessen Heeraufgebot (Schirmvogtei). Außerdem ĂŒbte er die hohe Gerichtsbarkeit im Vogteibereich aus (Vogteigericht). Bei Eigenklöstern besetzte hĂ€ufig der Eigenklosterherr selbst das Vogtamt. Die Schirmvogtei wurde bald auf die ganze Kirche ĂŒbertragen und fĂŒhrte mehrfach zu einem helfenden Eingreifen (wie unter Heinrich III.), andererseits aber zu dem das gesamte Mittelalter durchziehenden Streit um die Vorherrschaft zwischen Staat und Kirche.

Karl der Große ließ ab 802 in den Grafschaften Vögte in klösterlichen und bischöflichen ImmunitĂ€ten einsetzen. Im 11./12. Jahrhundert entwickelte sich dieses Amt zu einem erblichen Lehen des Hochadels und wurde von diesem als eine Form der Macht- und Gebietsexpansion genutzt. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verloren auch die Vogteien ihre Bedeutung.

Im modernen Staat ist der Gedanke der Schirmvogtei im staatsrechtlichen Prinzip der Aufsicht der Kirchen und Religionsgesellschaften aufgegangen.

Stadtvögte

Stadtvögte wurden von Stadtherren als Vertretung eingesetzt. Sie hatten die Funktion dessen Stadt zu verwalten und zu ĂŒberwachen. Sie vertreten außerdem die Interessen ihres Herren vor der Stadtregierung (Stadtrat, Stadtmeister).

Kirchenvögte

Grundlagen der kirchlichen Vogtei

Besondere Bedeutung erhielt die Funktion des Vogtes im kirchlichen Bereich. Im Mittelalter waren diejenigen StĂ€nde auf einen gegebenenfalls bewaffneten Schutz angewiesen, die selbst gar nicht oder nur beschrĂ€nkt wehr- und fehdefĂ€hig waren. Das waren neben den Bauern die Geistlichen. Der Schutz spielte in der mittelalterlichen Welt eine bedeutende Rolle, da ein staatliches Gewaltmonopol nicht existierte und die Menschen ansonsten auf Selbsthilfe angewiesen gewesen wĂ€ren. Den Geistlichen war aus kirchlich-theologischen GrĂŒnden die GewaltausĂŒbung – und damit KriegsfĂŒhrung und die Mitwirkung an Leib- und Todesstrafen – untersagt. Die Aufgabe, notfalls auch gewaltsamen Schutz zu gewĂ€hren, fiel daher dem Adel zu, dem Stand der „Krieger“.

WĂ€hrend des FrĂŒh- und Hochmittelalters wurden daher von vielen Geistlichen, Kirchen, Klöstern oder Stiften adelige Laien als Vögte eingesetzt, die sie in weltlichen Angelegenheiten vertraten (zum Beispiel vor Gericht), das Kirchengut verwalteten und ihnen Schutz und Schirm gewĂ€hrten. Schon seit dem 9. Jahrhundert hatte den Geistlichen eine kurzfristige Beauftragung von Vögten oft nicht mehr genĂŒgt, da sie vermehrt zu Diensten fĂŒr weltliche Herrscher herangezogen wurden und strikteren geistlichen Anforderungen unterworfen wurden. Es wurde daher eine dauerhafte Bindung an einen Vogt notwendig, der die zahlreichen nunmehr anfallenden Aufgaben wahrzunehmen hatte. Seit der Mitte des 9. Jahrhunderts wurden die Vogteien auch vielfach erblich, wodurch die adeligen Vögte oftmals eine starke Machtstellung erlangten. SpĂ€ter versuchten aber viele geistliche Herren, sich von der oftmals bedrĂŒckenden Machtposition der Vögte zu lösen und die Vogteirechte zurĂŒckzuerwerben, was seit dem 13. Jahrhundert vor allem den großen geistlichen Herren wie den Bischöfen gelang.

Typen von Kirchenvögten

Bei der Vogtei im geistlichen Bereich können zwei verschiedene AusprĂ€gungen unterschieden werden. Der Wirkungskreis eines Vogtes konnte sich auf eine gesamte geistliche Institution, beispielsweise ein Kloster erstrecken. Dieser Typ von Kirchenvogt wurde hĂ€ufig als „Kastvogt“ bezeichnet. In der Literatur sind fĂŒr den Kastvogt auch die Begriffe „Hauptvogt“ oder „Großvogt“ gebrĂ€uchlich. Auch der Begriff „Schirmvogt“ bezeichnet meist einen derartigen Vogt einer geistlichen Institution. Neben der Bevogtung einer geistlichen Institution selbst war eine weitere AusprĂ€gung der Kirchenvogtei, dass nur einzelne Besitzungen zum Beispiel eines Klosters bevogtet wurden. In diesem Fall erstreckte sich der Herrschaftsbereich des Vogts auf den klösterlichen Grundbesitz (samt zugehöriger Grundholden) an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet. Diese Art von Vögten werden daher in der Literatur oft als „Ortsvögte“ oder „Bezirksvögte“ bezeichnet. Besonders hĂ€ufig anzutreffen waren Orts- oder Bezirksvögte bei einzelnen Besitzkomplexen eines Klosters, die von diesem weiter entfernt lagen.

Bedeutung der kirchlichen Vogtei fĂŒr die Territorienbildung

Im Laufe des SpĂ€tmittelalters wurde aus den ursprĂŒnglich begrenzten und aus Einzelrechten bestehenden Kompetenzen der Vögte hĂ€ufig eine umfassende, nicht mehr auf Einzelkompetenzen bezogene Obrigkeit. Im Zuge dieses Vorganges verloren die geistlichen Grundherren Herrschaftsrechte an die Vögte, vor allem die niedere Gerichtsbarkeit konnten die Vögte in der Regel an sich bringen. HĂ€ufig konnten die Vögte die Wehrhoheit, den Anspruch auf Steuern und auf Frondienste der von ihnen bevogteten Besitzungen bzw. Bauern an sich bringen. Im Zuge dieses Prozesses wurde die Vogtei seit dem SpĂ€tmittelalter als Herrschaftsrecht vielfach in modernere Herrschaftsrechte ĂŒberfĂŒhrt und ging in örtlicher Gerichtsbarkeit, niederer Obrigkeit oder Landesherrschaft auf. So gelang es adeligen Vögten vielfach, klösterlichen Grundbesitz unter ihre BotmĂ€ĂŸigkeit zu bringen; die Klöster konnten lediglich die Grundherrschaft ĂŒber ihre fremdbevogteten GĂŒter behaupten. Die Vogtei bildete daher im SpĂ€tmittelalter in vielen FĂ€llen eine wesentliche Grundlage bei der Ausbildung der Territorien adliger Herrscher. Im Gefolge der Reformation gelang es evangelisch gewordenen (Kast-)Vögten zudem, unter ihrer Vogtei stehende Klöster zu sĂ€kularisieren und in ihr Territorium zu integrieren.

Vögte im Hoch- und SpÀtmittelalter

Der Begriff der Vogtei wurde seit dem 13. Jahrhundert im römisch-deutschen Reich zunehmend mit einer Ämterorganisation verbunden. Vögte ĂŒbernahmen im Auftrag weltlicher Herrscher Verwaltungsaufgaben. Sie legten Steuern fest und zogen diese ein, sie hielten Gericht und ahndeten Vergehen. Die Bedeutung von Kloster- und Burgvögten war in einigen Gebieten erheblich. Reichslandvögte wurden seit dem 13. Jahrhundert eingesetzt, um verlorenes Reichsgut wiederzugewinnen, vor allem in Schwaben und dem Elsass.

Daneben wurden Landvogteien seit dem spĂ€ten 13. Jahrhundert in einigen Gebieten östlich der Elbe (Oberlausitz, Niederlausitz, Brandenburg, Pommern) gebildet, die in den folgenden Jahrhunderten zeitweise eine relativ große EigenstĂ€ndigkeit besaßen.

Die zwischen 1403 und 1512 eingerichteten acht Ennetbirgischen Vogteien (italienisch Baliaggi Ultramontani) auf dem Gebiet des heutigen Kantons Tessin wurden von Vögten (italienisch Balivi) verwaltet.

siehe auch: Landvogt

Vogtei als Bezeichnung fĂŒr Gerichtsherrschaft

Seit dem Ende des SpĂ€tmittelalters wurde der Begriff „Vogtei“ („Vogteilichkeit“) oftmals gleichbedeutend mit niederer Gerichtsbarkeit (niederer Obrigkeit) verwendet. So war im frĂ€nkischen und schwĂ€bischen Raum dieser Gebrauch des Begriffs „Vogtei“ ĂŒblich. Dies galt auch in den FĂ€llen, wo die niedere Obrigkeit nicht auf der Ă€lteren, kirchlichen Vogtei beruhte, wie beispielsweise bei den GĂŒtern adeliger oder stĂ€dtischer Grundherren. Gleichartige oder Ă€hnliche Amtsstellungen waren Amtmann, Dorfrichter, Erbrichter, Fronbote, Gerichtskretscham, Greve, Meier, Schiedsmann, Scholze, Schultheiß, Schulze, Vikar, Villicus, Woith (in alphabetischer, nicht zeitlicher Reihenfolge).

Burgvogt

Ein Burgvogt verwaltete eine Burg, er wurde vom Burgherren beauftragt, in Abwesenheit die Obliegenheiten und die niedere Gerichtsbarkeit auszuĂŒben. Zum Beispiel wurde auf der Reichsburg NĂŒrnberg ein Burgvogt eingesetzt.

Schutzvögte, Deichvögte, Alpvögte, Waldvogt

Die mittelalterlichen Markgenossenschaften ernannten Schutzvögte zu ihren Vertretern.

In den KĂŒstenregionen von Nord- und Ostsee waren Deichvögte fĂŒr den Zustand der Deiche und Strandvögte fĂŒr die Bergung von gestrandetem Schiffsgut zustĂ€ndig.

Heute noch heißt an vielen Orten in der Schweiz der Verantwortliche fĂŒr den Alpbetrieb „Alpvogt“, er stellt das Alppersonal ein, organisiert die Besetzung mit Vieh, alle Arbeiten, rechnet ab etc.

Im Alpenraum amtete in einer schweizerischen BĂ€uert ein BĂ€uertvogt als Aufseher.cite-ref-2[2]

Im Hotzenwald bestand das Amt des Waldvogts. König Maximilian I. erließ dafĂŒr 1507 eine 17 Artikel umfassende Ordnung, die bis ins 18. Jahrhundert galt. Sitz des Waldvogts war zuerst die Burg Hauenstein, spĂ€ter wurde der Vogtsitz nach Waldshut-Tiengen in das Waldvogteiamt verlegt.

Im NiederlĂ€ndischen hat bis in die Moderne der ursprĂŒnglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Begriff des Vlootvoogd (deutsch wörtlich „Flottenvogt“) ĂŒberdauert. Es ist die volkstĂŒmliche Bezeichnung fĂŒr den Kommandeur eines Verbands von Schiffen, also einen Flottenbefehlshaber.cite-ref-3[3]

Vögte außerhalb des deutschen Sprachraums

Im altfranzösischen wurde der Vogt als Bailli bezeichnet, abgeleitet von lateinisch baiulivus oder bailus, Adjektiv von baiulus, „TrĂ€ger“ und in der erweiterten Bedeutung „Regent“ (vgl. Bailliage und SĂ©nĂ©chaussĂ©e). Von diesem Begriff leiten sich unter anderem Bailiff (englisch), Balivo (italienisch), und BailĂČ (venetisch) ab. Im Deutschen bezeichnet Bailli meistens ein Amt in einem Ritterorden, zum Beispiel den Leiter einer Ballei.cite-ref-4[4]

Niederlande und Belgien

In den Niederlanden war diese Position als baljuw bekannt, eine direkte Ableitung aus dem französischen Wort bailli, aber auch drost, drossaard (Brabant), amman (BrĂŒssel), meier (Löwen, Asse) und schout (Antwerpen, ’s-Hertogenbosch, Turnhout) wurden verwendet. Der Rang eines Baljuw war in Flandern, Holland, Hennegau, Zeeland und Nordfrankreich in Verwendung. Der Baljuw war ein Beamter, der den Herrscher in der Stadt und auf dem Land vertrat. In Flandern wurde der Baljuw in der Regel vom Grafen und in Frankreich vom König ernannt. Das Amt stammt ursprĂŒnglich aus Frankreich, als König Philipp II. Augustus den ersten Baljuw ernannte.

In der heutigen niederlÀndischen Sprache ist mit einem voogd ein Vormund oder Kurator gemeint.

Aostatal

Das Haus Savoyen besaß Ende 1025 zum ersten Mal teilweise die LĂ€ndereien des Aostatals, als Humbert I. von Savoyen die Herrschaft ĂŒber die Region Aosta mit dem Bischof von Aosta teilte. Nach und nach wurde die Bedeutung der Savoyer in Aosta gefestigt. Die Charte des Franchises, die 1191 von Bonifatius I. von Montferrat im Namen seines MĂŒndels Thomas I. von Savoyen erteilt wurde,cite-ref-5[5] legte fest, dass der SouverĂ€n keine Steuern erheben könne, wenn sie nicht im Voraus vom Landtag von Aosta, die vom Bailly geleitet wurde, genehmigt wird. Diesem war die gesamte Bevölkerung unterworfen; noch heute steht in Aosta der Turm der Vögte.cite-ref-6[6]

Kanalinseln

Die Kronbesitzungen der Britischen Monarchen auf den Kanalinseln, Guernsey und Jersey, haben offiziell den Status einer Vogtei (englisch Bailiwick, französisch Bailliage). Der Vogt (Bailiff) hat die Funktion eines Parlaments- und GerichtsprĂ€sidenten, exekutive Aufgaben sind dem President of the Policy and Resources Committee von Guernsey bzw. dem Chief Minister von Jersey ĂŒbertragen.

Polen

In Polen wird der Titel WĂłjt (Vogt) weiterhin von den Gemeindevorstehern der Landgemeinden gefĂŒhrt.

Historisch waren dort die Vögte vom SouverĂ€n ernannte oder erbliche StadtoberhĂ€upter oder Gemeindevorsteher, ĂŒberwiegend durch Angehörige des Adels (szlachta) ausgeĂŒbt. Bis zum 17. Jahrhundert nannte sich im deutschen und böhmischen Schlesien der Dorfvorsteher, Woit. Der Vogt des Ermlands war im FĂŒrstbistum der höchste weltliche AmtstrĂ€ger.

Vogtsamt als Familienname

Bei zahlreichen mittelalterlichen Familien des Niederen Adels aus der Schicht der Ministerialen wurde die Amtsbezeichnung – in Verbindung mit dem Namen ihres Amtssitzes – im Lauf der Zeit zum Familiennamen, so bei den Vogt von Elspe, Voit von Rieneck, Voit von Salzburg, Vogt von Soest.

Literatur (Auswahl)

AufsÀtze

‱ Victor Attinger (Hrsg.): Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 4: GĂŒttingen – Mailand. Administration des historisch-biographischen Lexikons der Schweiz, Neuenburg 1927, S. 598 f.
‱ Hanns H. Hofmann: Freibauern, Freidörfer, Schutz und Schirm im FĂŒrstentum Ansbach. Studien zur Genesis der Staatlichkeit in Franken vom 15. bis 18. Jahrhundert. In: Zeitschrift fĂŒr bayerische Landesgeschichte. Band 23, 1960, S. 195–327.
‱ Rudolf Hoke: Landvogt. In: Adalbert Erler, Ekkehard Kaufmann (Hrsg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Band 2: HaustĂŒr – Lippe. Schmidt, Berlin 1978, ISBN 3-503-00015-1, S. 1597–1599.
‱ Hans-Joachim Schmidt: Vogt, Vogtei. In: Lexikon des Mittelalters. Band 8: Stadt (Byzantinisches Reich) bis Werl. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22804-1, Sp. 1811–1814.
‱ Fred Schwind: Landvogt, -vogtei. In: Robert-Henri Bautier u. a. (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Band 5: Hiera-Mittel bis Lukanien. Artemis & Winkler, MĂŒnchen u. a. 1991, ISBN 3-7608-8905-0, Sp. 1681–1682.
‱ Fred Schwind: Reichslandvogt, Reichslandvogtei. In: Adalbert Erler, Ekkehard Kaufmann (Hrsg.): Handwörterbuch zur Deutschen Rechtsgeschichte. Band 4: Protonotarius Apostolicus – Strafprozeßordnung. Schmidt, Berlin 1990, ISBN 3-503-00015-1, Sp. 699–703.

BĂŒcher

‱ Martin Clauss: Die Untervogtei. Studien zur Stellvertretung in der Kirchenvogtei im Rahmen der deutschen Verfassungsgeschichte des 11. und 12. Jahrhunderts. Schmitt, Siegburg 2002, ISBN 3-87710-208-5 (= Bonner historische Forschungen, Band 61; zugleich: Bonn, UniversitĂ€t, Dissertation, 2001).
‱ Katharina Colberg: Reichsreform und Reichsgut im spĂ€ten Mittelalter. UniversitĂ€t Göttingen 1967 (Göttingen, Dissertation, 22. MĂ€rz 1967).
‱ Hans-Georg Hofacker: Die schwĂ€bischen Reichslandvogteien im spĂ€ten Mittelalter (= SpĂ€tmittelalter und frĂŒhe Neuzeit, 8). Klett-Cotta, Stuttgart 1980, ISBN 3-12-911570-6 (zugleich: TĂŒbingen, UniversitĂ€t, Dissertation, 1980).
‱ Hans Niese: Prokurationen und Landvogteien. Ein Beitrag zur Geschichte der ReichsgĂŒterverwaltung im 13. Jahrhundert. Wagner, Innsbruck 1904, (Zugleich: Dissertation, UniversitĂ€t Straßburg, 1904); Textarchiv – Internet Archive.
‱ Johannes Schneider: Das deutsche Vogteiwesen und sein Einfluß auf das mittelalterliche Latein. Akademie-Verlag, Berlin 1964 (= Sitzungsberichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Klasse fĂŒr Sprachen, Literatur und Kunst, Jg. 1964, Nr. 1, ZDB-ID 211653-4).
‱ Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spĂ€tmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979, ISBN 3-525-35375-8 (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts fĂŒr Geschichte, Band 63; zugleich: Habilitationsschrift, UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg, 1974).
‱ Fred Schwind: Die Landvogtei in der Wetterau. Studien zu Herrschaft und Politik der staufischen und spĂ€tmittelalterlichen Könige. Elwert, Marburg 1972, ISBN 3-7708-0424-4 (= Schriften des Hessischen Landesamtes fĂŒr Geschichtliche Landeskunde, Band 35; zugleich: Dissertation, UniversitĂ€t Frankfurt am Main 1966).
‱ Thomas Simon: Grundherrschaft und Vogtei. Eine Strukturanalyse spĂ€tmittelalterlicher und frĂŒhneuzeitlicher Herrschaftsbildung. Klostermann, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-465-02698-5 (= Studien zur europĂ€ischen Rechtsgeschichte, Band 77; zugleich: Dissertation, UniversitĂ€t Freiburg [Breisgau], 1992).

Weblinks

‱ Waltraud Hörsch: Landvogt [Obervogt, Vogt]. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950, S. 298–301 (Neuauflage 1978 anlĂ€sslich des JubilĂ€ums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828–1978).
cite-note-22. ↑ HLS/
cite-note-33. ↑ Historische woordenboeken. (niederlĂ€ndisch). In: Woordenboek der Nederlandsche Taal des Instituut voor de Nederlandse Taal; abgerufen am 18. Januar 2019.
cite-note-44. ↑ Bailli. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 2: Astilbe–Bismarck. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905, S. 279 (Digitalisat. zeno.org).
cite-note-55. ↑ Ein erster Entwurf der Charte des franchises geht auf das Jahr 1032 zurĂŒck, nahm aber erst 1191 Gestalt an.
cite-note-66. ↑ Carlo Nigra, Torri e castelli e caseforti del Piemonte dal 1000 al secolo XVI.